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GEBURTSBERICHT (POSITIV) | Wie aus unserer geplanten Hausgeburt eine ungeplante Alleingeburt wurde

Positiver Geburtsbericht unserer Hausgeburt (Alleingeburt)


Zur Feier des ersten Weihnachtsfeiertages soll es heute um ein besonderes und sehr persönliches Ereignis hier auf dem Blog gehen, das ich mir für diesen Beitrag noch mal bestmöglich versucht habe, ins Gedächtnis zurückzurufen. Macht es euch gemütlich, denn für diese Erzählung habe ich nicht umsonst wochenlang gebraucht, um sie endlich veröffentlichen zu können, da sie etwas länger ist. Nachdem ich euch bereits durch alle drei Schwangerschaftstrimester mitgenommen habe, fehlt natürlich noch das „Finale“: der Geburtsbericht steht noch aus. Meine positive Geburtserfahrung möchte ich heute nun endlich mit euch teilen (: . Der Geburtsbericht ist sehr detailliert, damit er möglichst hilfreich für alle ist, denen eine Geburt bevorsteht. Wer mit so vielen Details nicht konfrontiert werden möchte, sollte also besser den Teil „Die Geburt beginnt“ überspringen und stattdessen vielleicht die Tipps zur positiven Geburtsvorbereitung am Ende lesen (: .

Insgesamt fasst der Titel des Beitrags die Geschehnisse am Tag unserer Geburt eigentlich schon ganz gut zusammen ^^ . Aber beginnen wir von vorn…

 

 

 

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UNSERE ENTSCHEIDUNG FÜR DEN GEBURTSORT | HAUSGEBURT

Hier fängt es für viele Menschen wahrscheinlich schon exotisch an x) . Ursprünglich wollten wir in einem Krankenhaus unser Kind bekommen, das nicht weit von uns entfernt liegt. Unsere Vorsorge- und Wochenbett-Hebamme hat uns jedoch recht spontan zu einer Hausgeburt ermutigt, die wir noch am selben Tag für uns beschlossen haben. Zuvor stand ich Hausgeburten bereits positiv gegenüber, dachte aber ehrlich gesagt, dass das besser etwas für Zweit- oder Mehrfachgebärende und nicht unbedingt für Erstgebärende sei. Nachdem im Gespräch jedoch auch Wilhelm von der Idee der Hausgeburt angetan war, traute ich mich ernster darüber nachzudenken und fühlte mich mit diesem Geburtsort am wohlsten und tatsächlich auch am sichersten. Im bin nämlich nicht der größte Fan von Krankenhäusern und der Gedanke, dort womöglich pandemiebedingt auch noch ein paar Tage ohne Wilhelm zu bleiben, der eventuell nicht einmal die Möglichkeit des Besuchs auf der Wochenbettstation zu dem aktuellen Zeitpunkt gehabt hätte, behagte mir nicht so sehr. Bei einer Klinikgeburt hätte ich daher versucht, ambulant zu entbinden. Dabei bleibt man nach der Geburt noch wenige Stunden im Krankenhaus, bevor es direkt wieder ins eigene Wochenbett nach Hause geht. Das klappt jedoch nur, wenn die Geburt komplikationslos verlief und nichts gegen die schnelle Entlassung von Mutter und Kind spricht.

Hausgeburten sind statistisch gesehen übrigens keinesfalls unsicherer als Klinikgeburten. Falls ihr mehr darüber erfahren wollt, empfehle ich euch die passende Folge zu Hausgeburten des Hebammensalon-Podcasts.

Mir machten eher mögliche Interventionen aufgrund von Zeitdruck, Personalmangel oder anderen Umständen im Krankenhaus, gerade zu Coronazeiten, Sorgen. Außerdem sind Krankenhäuser bekanntermaßen trotz bester Bemühung nicht gerade keimfrei. Aber: der beste Geburtsort ist der, an dem eine Frau sich individuell sicher fühlt und eine Hausgeburt funktioniert nicht immer bis zum Schluss zu Hause und muss manchmal auch ins Krankenhaus verlegt werden. Außerdem gibt es Kontraindikationen, bei denen eine Hausgeburt leider nicht möglich ist, beispielsweise bei ungünstiger Kindslage, Mehrlings- oder Frühgeburt. Hier wird im Vorfeld immer wieder überprüft, ob etwas gegen die geplante Hausgeburt spricht. Wir haben uns außerdem als Plan B in der besagten Klinik um die Ecke bereits angemeldet, sodass im Falle einer Geburt vor möglicher Hausgeburtsbetreuung (ab 3 Wochen vor Entbindungstermin) oder einer Umverlegung während der Geburt nicht noch sämtlicher Papierkram erledigt werden muss. Auch bei der Entscheidung für eine Hausgeburt kann man sich natürlich jederzeit umentscheiden, beispielsweise wenn man doch Schmerzmittel möchte (die gibt es bei einer Hausgeburt nicht) oder sich nicht sicher genug fühlt. Hier war unser großer Vorteil, dass die Klinik tatsächlich keine 10 Minuten mit dem Auto entfernt liegt. Ich würde mich jederzeit wieder für eine Hausgeburt entscheiden und kann im Nachhinein sagen, dass es für uns die absolut richtige Entscheidung war. 

 

 

 

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DER TAG VOR DER GEBURT

Eine Geburt kündigt sich häufig bereits einige Tage oder Wochen vorher langsam an. Da kann es schon Übungswehen und eine Senkung des Kindes ins Becken geben, die Hinweise darauf sind, dass der Körper sich bereit macht. Auch berichten viele Frauen, dass die letzten Wochen sehr beschwerlich werden und wünschen sich daher nicht selten endlich die Geburt herbei oder versuchen diese sogar selbstständig einzuleiten. Bei mir gab es von alldem nichts! Ich hatte keine einzige Übungswehe und fühlte mich bis zum letzten Tag pudelwohl. Ich war daher mit einer wirklich tollen Schwangerschaft gesegnet und schätze mich sehr glücklich darüber.

Aus diesem Grund dachte ich aber auch am Tag vor der Geburt noch, dass diese auf sich warten lässt. Meinen Kollegen schrieb ich noch, dass sich hier gar nichts tut und es sicher noch mindestens eine Woche dauert und ich noch 5 Monate so weitermachen könnte ^^ .

So verbrachte ich den Tag trotz einiger Dinge, die noch zu erledigen gewesen wären, größtenteils bei wunderschönem Wetter draußen in der Sonne, begann das Buch Baby.leicht von Kareen Dannhauer zu lesen, das ich schon lange anfangen wollte, nachdem ich artgerecht von Nicola Schmidt an diesem Tag fertig gelesen hatte. Den Morgen startete ich außerdem mit einem sogar recht anstrengenden Workout vom Kanal Pregnancy and Postpartum TV, mit dem ich die gesamte Schwangerschaft über trainiert hatte. Ich glaube es war dieses Prenatal Strength Workout mit Gewichten. Rückblickend hat das etwas anstrengendere Workout vielleicht auch zum Start der Geburt beigetragen…? Abends haben wir dann noch schnell die letzten Schrauben an unserem selbstgebauten Wickeltisch festgezogen, sodass auch dieser endlich einsatzbereit war. Anschließend habe ich dann noch ziemlich lange Fotos ins Schwangerschaftsalbum geklebt, bin damit aber nicht fertig geworden und dann um etwa 23:15 Uhr mit Wilhelm nichts ahnend ins Bett gegangen. 

 

 

 

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DIE GEBURT BEGINNT

Und plötzlich ging alles unerwartet ganz, ganz schnell. Die grobe Zeitabfolge war etwa folgendermaßen:


  • 05:13 Uhr - Erste Wehe 
  • 7 Minuten später - Zweite Wehe und es folgte viele weitere
  • 2 Stunden und 15 Minuten später - Erster Anruf bei unserer Hausgeburtshebamme (Wehenabstände alle 5 Minuten)
  • 1 Stunde und 25 Minuten später - Presswehen
  • 5 Minuten später - Badewanne (Platzen der Fruchtblase)
  • 25 Minuten später - Geburt
  • 30 Minuten später - Ankunft unserer Hausgeburtshebamme 


Jetzt fragt ihr euch vielleicht: wie kann es da passieren, dass wir während der eigentlichen Geburt ganz allein waren? Nun ja, ich würde sagen, es war eine Verkettung ungünstiger Umstände. Alle Beteiligten haben den zügigen Geburtsfortschritt falsch eingeschätzt und ich habe einen Großteil der Geburt verlebt, ohne überhaupt jemandem Bescheid zu geben und habe insgesamt nicht genug „kommuniziert“. 

Da uns diese Geburt so unerwartet „überrumpelte“, musste ich beim Schreiben erstmal überlegen, was denn nun währenddessen eigentlich alles passierte. Aufgrund der Kürze hat dieses Ereignis bei mir nämlich nicht ganz so einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wie man vielleicht meinen sollte. Nach und nach kamen mir dann aber doch viele Details ins Gedächtnis zurück, sodass ich die Geschehnisse etwas ausführlicher beschreiben möchte:


In dieser Nacht wachte ich gegen 04:50 Uhr auf, da ich zum zweiten Mal auf die Toilette musste. Das war in diesem Stadium der Schwangerschaft üblich und verwunderte mich daher nicht. Nach dem Aufstehen fühlte ich allerdings etwas, das sich wie leichte Unterleibsschmerzen anfühlte. Außerdem hatte sich der Schleimpfropf gelöst, der sich auch einige Tage vor der Geburt bereits lösen kann und kein unmittelbares Startzeichen für die Geburt sein muss. Ich dachte daher, dass dies nun vielleicht die ersten Übungswehen sein könnten. Ich holte vorsichtshalber mein Handy mit Kopfhörern, um die Hypnose „Während der Geburt“ vom Onlinekurs der friedlichen Geburt zu hören und ging anschließend wieder ins Bett, um weiterzuschlafen. Etwas aufgeregt schlief ich aber nicht wieder ein, bis ich um 05:13 Uhr plötzlich eine erste Wehe spürte. Ich veratmete diese leichte Wehe wie in der friedlichen Geburt gelernt, um schon mal die Atmung für den „Ernstfall“ zu üben, wenn die Wehen noch nicht stark sind und man sich daher noch besser konzentrieren kann. Die nächste Wehe folgte direkt 7 Minuten später. Etwas verunsichert dachte ich, dass das ja nun schon ziemlich nah beieinander liegt und als die darauffolgende Wehe wieder 7 Minuten später folgte, stand ich voller Tatendrang auf, um mich einmal rundum fertig zu machen ^^ . Ich vollzog das volle Programm inklusive Haare waschen, was sich im Nachhinein als gute Idee herausstellte, da ich erst mal eine Weile nicht dazu kam x) .

 

Die Wehen unter der Dusche kamen sehr unregelmäßig mit größeren Abständen und das warme Wasser tat mir gut. Als ich aus der Dusche heraus kam und mein Körperöl nutzen wollte, musste ich allerdings gefühlt nach jedem eingeölten Körperteil eine Pause einlegen und die Wehen auf dem Boden im Vierfüßlerstand veratmen, da sie dort schon deutlich stärker waren. So langsam schlich sich der Gedanke ein, dass das nun vielleicht wirklich die Geburt ist ^^. So richtig realisieren wollte ich das allerdings noch nicht. Dies veranlasste mich außerdem noch immer nicht dazu,Wilhelm zu wecken, der an diesem Tag zur Arbeit gegangen wäre, da ich seinen Schlaf nicht vorzeitig beenden wollte. Einerseits dachte ich, dass er ja eventuell zur Arbeit muss und andererseits überlegte ich für den tatsächlichen Fall der Geburt, dass er Schlaf gut gebrauchen könnte, um mich bestmöglich zu unterstützen. Ich ging nämlich als Erstgebärende davon aus, dass die Geburt durchschnittlich sicher so 12 bis 16 Stunden dauern dürfte. Ziemlich genau zwei Stunden nach der ersten Wehe informierte ich dann Wilhelm, dass die Geburt eventuell begonnen hat und er fing damit an, die Wehentätigkeit zu tracken. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir nicht, dass ein Großteil der Geburt bereits geschafft war ^^ .

 

Ich hatte übrigens nicht nur Wilhelm nicht gleich zu Beginn der Wehen informiert, sondern auch bisher der Hausgeburtshebamme, die Rufbereitschaft für uns hatte, noch nicht Bescheid gegeben, da ich Wilhelm die Kommunikation übernehmen lassen wollte, um in meiner Hypnose bleiben zu können. Um 07:35 Uhr gab Wilhelm dann unserer Hebamme Bescheid, dass es möglicherweise losgeht. Zu diesem Zeitpunkt kamen die Wehen etwa alle 5 Minuten und waren ungefähr eine Minute lang. Sie antwortete daraufhin, er solle weiter tracken und sich dann nochmal eine Stunde später melden.

 

Übrigens machte ich mir nach dem Duschen nicht mehr die Mühe, mich noch anzuziehen, sondern schnappte mir für alle Fälle lediglich eine Wochenbetteinlage und Slip, da mehr in diesem Moment nicht drin war ^^ . Irgendwann zwischendurch bat ich Wilhelm jedoch, mir ein paar dicke Socken anzuziehen, da meine Füße kalt wurden. Aus unserem Geburtsvorbereitungskurs wusste ich, dass kalte Füße eine Geburt schnell mal ins Stocken bringen können ;) .

 

Die „Wehenarbeit“ wollte ich eigentlich im Wohnzimmer auf unserer großen Couch leisten, wo ich viel Bewegungsfreiheit gehabt hätte. Wilhelm bereitete daher die Couch mit Unterlagen vor, während ich vorerst im Schlafzimmer die Wehen weiter im Vierfüßlerstand auf den Unterarmen gestützt veratmete. Dabei hörte ich durchgängig die Hypnose „Während der Geburt“ zur Entspannung und visualisierte die Öffnung des Muttermundes und atmete während der Wehen tief und langsam in den Bauch hinein und „zum Schmerz hin“. Ich erinnere mich außerdem, dass ich unter der Geburt von unserem Kind keine direkten Bewegungen spürte (das fragte ich mich nämlich im Vorfeld, wie sich das dann wohl anfühlt), dafür aber Schluckauf, den ich ja die Schwangerschaft über sehr häufig spürte (: .

 

Ich greife mal vorweg: auf der Couch, die Wilhelm so schön vorbereitet hat, kam ich nie an x) .

 

Durch die positive Geburtsvorbereitung hatte ich generell keine Angst vor der Geburt an sich, wie ich euch bereits in meiner Zusammenfassung des dritten Schwangerschaftstrimesters berichtet habe. Wovor ich allerdings doch etwas Bammel hatte, war die Befürchtung, mir könnte übel werden, da dies bei doch recht vielen Frauen unter der Geburt der Fall ist. Ich hatte daher bewusst nichts gegessen, was sich als gute Idee herausstellte. Irgendwann zwischen den Wehen wurde mir nämlich tatsächlich ganz schlagartig übel, aber das verflog dann glücklicherweise „ergebnislos“ so schnell wieder, wie es gekommen war und war daher nicht weiter schlimm.

 

Mittlerweile waren die Wehen so stark, dass ich mich fragte, wie zur Hölle ich das Ganze noch 10 Stunden oder wer weiß wie lange ohne Schmerzmittel durchziehen soll…was ich nicht wusste: diese wenigen sehr starken Wehen waren bereits die letzten Eröffnungswehen, bevor die Presswehen die tatsächliche Geburt unseres Kindes in die Wege leiteten.

 

Durch die schnelle Abfolge der Wehen war ich mittlerweile so geschafft, dass ich dachte: ich  M U S S  jetzt auf der Stelle schlafen. Durch die kurzen Wehenabstände war an Schlaf jedoch nicht zu denken und der Versuch, mich in meiner Erschöpfung aus dem tiefen Vierfüßlerstand (auf den Ellenbogen und ein Kissen gestützt) in eine liegende Position zu manövrieren, erstickte schnell im Keim, weil sich Liegen vollkommen falsch anfühlte. So raffte ich mich rastlos wieder auf und hatte dann Wehen, die sich plötzlich anders anfühlten. Da ich ja noch keine Geburt erlebt habe, war ich mir unsicher, ob ich jetzt tatsächlich die ersten Presswehen spürte. Aber nach so kurzer Zeit (etwa 3 Stunden und 45 Minuten seit erster Wehe) konnte das doch noch nicht sein…? Als Erstgebärende erlaubte ich mir den Gedanken, dass die Geburt eventuell bald schon geschafft sei, nicht.

 

Eine Stunde und 20 Minuten nach dem ersten Anruf rief Wilhelm erneut unsere Hausgeburtshebamme an und berichtete ihr, dass die Wehen alle 3 bis 4 Minuten kommen. Wäre sie zu diesem Zeitpunkt losgefahren, hätte sie es wahrscheinlich schon nicht mehr pünktlich zur Geburt geschafft, da Hausgeburtshebammen rar sind und unsere etwa 45 Minuten Anfahrt zu uns hatte. Sie packte da allerdings gerade alles zusammen und fuhr etwa 20 Minuten später los.

 

Währenddessen hatte ich den starken Drang, in die Badewanne zu steigen. Wilhelm ließ mir etwas Badewasser (ohne Zusätze) ein. Das war etwa 3 Stunden und 45 Minuten nach der ersten Wehe. Ich stieg daraufhin in die Wanne und legte mich, wie man es so macht, auf den Rücken, sprang aber sofort wieder auf, da die Rückenlage sich einfach falsch anfühlte und ich darin nicht bleiben konnte. Beim Hinlegen platzte dann auch meine Fruchtblase, die bis dahin intakt war.

 

Ich wählte also eine alternative Position aus, um die letzten Wehen zu veratmen (auf den Unterschenkeln aufrecht sitzend und auf dem Wannenrand abstützend). Das warme Wasser tat mir sehr, sehr gut und im Nachhinein betrachtet hätte ich ruhig schon früher in die Badewanne gehen können, da die Wärme bei mir wie ein natürliches Schmerzmittel wirkte.

 

Ihr merkt schon: schmerzfrei war diese Geburt nicht, allerdings war dieses Gefühl gut aushaltbar und für mich nur so vorherrschend, da ich sehr schnell aufeinanderfolgende Wehen hatte und dachte, dass dieser Prozess so noch viel länger dauern würde. Die Atmung hat mir aber gut geholfen, ebenso wie die Gewissheit, dass die Wehen nur etwa eine Minute dauern und die Intensität dabei einen Gipfel erreicht, also nicht eine Minute lang gleichbleibend stark spürbar ist. Außerdem waren die Wehen in den Wehenpausen wirklich komplett verschwunden, das heißt zwischen den Wehen habe ich davon gar nichts gespürt. Die Wehen fühlten sich bei mir übrigens wie Rückenschmerzen im unteren Rücken an, weshalb ich mir gut vorstellen kann, dass so eine Kreuzbeinmassage des Geburtsbegleiters wirklich hilfreich ist (: . Alternativ stelle ich mir auch punktuelle Wärme dort gut vor, eventuell mit Wärmepflaster…? Sprecht das aber vorher nochmal mit eurer Hebamme durch, da das jetzt nur so ein spontaner Gedanke aufgrund meiner Erfahrungen ist. Wilhelm meinte übrigens, dass er nicht den Eindruck hatte, dass ich Schmerzen habe. Hier scheint die friedliche Geburt also zu einem ruhigen Erscheinungsbild geführt zu haben ;) .

 

Die Wehen kamen generell recht unregelmäßig zwischen 5 und 3 Minuten. Kürzere Abstände gab es bei unserer Geburt nicht. Die Presswehen kamen alle 2 Minuten.

 

Ich hatte eigentlich nicht unbedingt vor, unser Kind in der Badewanne zu bekommen, sondern bin nur meinem Gefühl in diesem Moment gefolgt. Im Nachhinein betrachtet war das für eine Hausgeburt aber wirklich sehr praktisch, da wir dadurch nicht viel putzen mussten ;) .

 

Als ich da nun also in der Wanne war, realisierte ich, dass es definitiv Presswehen waren, die ich hatte. Ich spürte dort bereits, dass der Kopf nach unten drückte. Mir war dann bewusst, dass unser Kind nun kommen wird. Ich fragte Wilhelm daraufhin, ob unsere Hebamme dann bald da ist, woraufhin er mir antwortete, dass sie sich jetzt auf den Weg macht. In diesem Moment wurde mir schon klar, dass wir das Kind nun allein bekommen würden. Wilhelm war selbst in diesem Moment noch nicht überzeugt, dass sich die Geburt nun wirklich in den letzten Zügen befand x) .

 

Komischerweise empfand ich trotz der Gewissheit, dass wir im entscheidenden Moment ohne jegliche „professionelle Geburtsbegleitung“ sein würden, keinerlei Angst oder Zweifel. Der Geburtsprozess ging so gefühlt reibungslos und gut voran, dass ich mich in diesem Moment selbstsicher fühlte. Ich hatte auch kaum Zeit, mir großartige Gedanken zu machen, da die Presswehen Schlag auf Schlag kamen.

 

Im Vorfeld hatte ich einen Geburtsplan mit einigen Wünschen geschrieben, wovon wir letztendlich so ziemlich gar nichts umgesetzt haben, da es einfach so schnell ging x) . Im Zuge dessen hatte ich mir auch Gedanken gemacht, ob ich während der Geburt den Kopf unseres Kindes selbst ertasten möchte und mir das nicht unbedingt vorgenommen. Während wir nun aber zu zweit die letzte Geburtsphase bestritten, tat ich das doch ganz automatisch, um den Geburtsfortschritt zu überprüfen und mich zu vergewissern, dass der Kopf nun tatsächlich kam ^^ . Während der letzten Minuten verschwand ich dann noch einen Gedanken daran, ob ich eventuell das Mitpressen etwas dämpfen sollte, um Geburtsverletzungen möglicherweise entgegenzuwirken, aber der Druck war in dem Moment so groß und es fühlte sich richtig an, unser Kind schnell durch den Geburtskanal zu befördern x) . In den letzten 3 Minuten hatten wir unsere Hebamme dann auch am Telefon, während sie zu uns fuhr. Halbwegs geistesgegenwärtig fragte ich sie dann in einer Wehenpause noch, was ich machen soll, wenn die Fruchtblase noch intakt ist, weil ich mir nicht ganz sicher war, dass diese zuvor geplatzt war. Sie antworte ganz nüchtern, dass ich sie dann einfach öffnen kann, sobald das Kind da ist. Und das ging dann tatsächlich auch sehr schnell.

 

Ich kann nicht mehr genau sagen, wie viele Presswehen es insgesamt waren, die unser Kind zu uns brachten. Gefühlt wurde der Kopf in drei Presswehen geboren und der Körper dann direkt in der darauffolgenden Wehe, aber sicher bin ich mir nicht.

 

Im Vorfeld dachte ich immer, dass die Geburt des Kopfes das „Schlimmste“ an einer Geburt sei und hatte daher davor am meisten Respekt. Tatsächlich war das aber ein Moment, in dem ich voller Hoffnung war, da man selbst aktiv dafür sorgen konnte, dass die Geburt bald geschafft ist und es war weniger „schmerzhaft“ als die Eröffnungswehen würde ich sagen und für mich zumindest gar nicht schlimm.

 

Als unser Kind komplett geboren war, befand es sich unter Wasser und bevor ich es hochnahm, wickelte ich noch die Nabelschnur herum, die sich vor der Brust und dem Hals befand. Zum Thema Nabelschnur um Körper oder Hals, was für viele ein angstbehaftetes Thema ist, kann ich euch diese Podcastfolge des Hebammensalons empfehlen. Hierdurch wusste ich, dass das kein Problem war.

 

Anschließend nahm ich unser Kind aus dem Wasser zu uns nach oben und in meine Arme. Der erste kurze Schrei und die Atmung folgten prompt. Wilhelm half mir dann dabei, mich nach hinten in die Wanne zu legen und wir wickelten unser Kind auf Anweisung unserer Hebamme in ein Handtuch ein, um es schön warm zu halten. So verblieben wir eine halbe Stunde lang und begrüßten uns ganz in Ruhe und ungestört zu dritt, bis unsere Hebamme eintraf. In der Zwischenzeit war die Nabelschnur dann auch komplett auspulsiert und Wilhelm schnitt sie nach Abklemmen durch die Hebamme durch. Die anschließende Nachgeburt kam unter Anleitung und Hilfe unserer Hebamme problemlos und vollständig.

 

Im Nachhinein kam durch Wilhelms Erzählungen und einige Bemerkungen meinerseits noch die Vermutung auf, dass es sich bei unserem Baby eventuell sogar um einen Sternengucker handelte. Diese Geburten dauern in der Regel etwas länger und gehen nicht so gut voran, was wiederum in unserem Fall umso kurioser wäre. Da ich selbst mich an die Momente direkt nach der Geburt jedoch nicht mehr so genau erinnere und kein geburtsbegleitendes Personal vor Ort war, lässt sich das aber nicht sagen und wir werden es daher wohl nie erfahren x) .

 

Unsere Geburt dauerte damit von erster Wehe bis zur eigentlichen Geburt nur etwa 4 Stunden und 15 Minuten. 2 Stunden davon habe ich komplett allein verbracht und den Rest gemeinsam mit Wilhelm, wobei ich mich auch da sehr zurückgezogen habe. Da sich viele Schwangere wahrscheinlich ebenfalls so eine recht kurze Geburt wünschen, möchte ich noch erwähnen, welche geburtsvorbereitenden Maßnahmen ich im Vorfeld gemacht habe. Letztendlich ist die Geburtsdauer aber sicher von Geburt zu Geburt so individuell und nur bedingt beeinflussbar.

 

 

 

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WOMIT ICH MICH POSITIV AUF DIE GEBURT VORBEREITET HABE

Ganz zu Beginn der Schwangerschaft war die Geburt als solche noch relativ weit entfernt für mich. Ab der 16. Schwangerschaftswoche aber begann ich bereits, mich mit dem Thema Geburt aktiv auseinanderzusetzen. Aber generell kann man sich auch ganz kurz vor dem Entbindungstermin noch sehr gut positiv auf die Geburt einstimmen. Viele der klassischen geburtsvorbereitenden Maßnahmen werden ab der 34. bis 36. Schwangerschaftswoche empfohlen. Dabei gibt es aber auch Ausnahmen, wenn Indikationen vorliegen (beispielsweise kein Himbeerblättertee bei Gefahr der Frühgeburtlichkeit o.ö.). Sprecht alle diese Maßnahmen also auf jeden Fall mit eurer Hebamme oder Frauenärztin ab, bevor ihr euch damit vorbereitet!

 

Hier ein Überblick darüber, was ich gemacht habe, um mich aktiv und positiv auf die Geburt vorzubereiten:


  • Sport für Schwangere mit dem YouTube-Kanal Pregnancy & Postpartum TV (die ganze Schwangerschaft über je nach Zeit und Möglichkeit ein- bis viermal pro Woche und im dritten Trimester insbesondere Übungen zur Geburtsvorbereitung und Ausdauer, in den letzten Wochen habe ich die Übungen dieses Videos fast täglich gemacht)
  • Onlinekurs Die friedliche Geburt (schon sehr früh ab der 16. Schwangerschaftswoche, geübt alle paar Tage, zwischendrin auch längere Pausen von mehreren Wochen, am Ende täglich, selten mehrere Meditationen pro Tag)
  • Geburtsvorbereitungskurs bei unserer Vorsorge- und Wochenbetthebamme (wir haben diesen schon recht früh etwa um die 22. Schwangerschaftswoche gemacht, was nicht geschadet hat)
  • Podcast Hebammensalon (schon im ersten Trimester entdeckt und ab da mit den ersten Folgen gestartet)
  • Buch Guter Hoffnung von Kareen Dannhauer [*] (durch den Hebammensalon gefunden und ab Beginn des zweiten Trimesters gelesen, auch sehr gute Geschenkidee für Schwangere und das einzige Buch, das man meiner Meinung zum Thema Schwangerschaft benötigt mit so viel Wissen und Hilfe bei Beschwerden)
  • 6 Datteln pro Tag ab der 34. Schwangerschaftswoche (ich habe sie zum Süßen einfach klein geschnitten verwendet, da sie mir pur nicht schmecken, man sollte sie nur vielleicht nicht stark erhitzen)
  • Louwen-Diät ab der 34. Schwangerschaftswoche (in meinem Fall bedeutete das Verzicht auf Weißmehlprodukte und stattdessen Vollkorn und Verzicht auf jeglichen Zucker außer Süßen mit Dattelsirup oder den täglichen 6 Datteln, ich habe aber Ausnahmen definitiv gemacht!)
  • Dammmassage ab der 34. Schwangerschaftswoche mit diesem Öl von Weleda [*] (etwa zwei- bis dreimal wöchentlich)
  • Himbeerblättertee von meiner Hebamme ab der 35. Schwangerschaftswoche im Wochenwechsel täglich (eine Woche täglich, nächste Woche gar nicht, übernächste täglich usw., ich habe nur eine Tasse pro Tag getrunken)
  • Heublütenbad von meiner Hebamme ab der 38. Schwangerschaftswoche (einmal pro Woche, am einfachsten mit leerem Kunststoffbehältnis wie Eis-Großpackung o.ä., das in die Toilette gestellt wird und dann darüber auf die Toilette setzen)


Natürlich kann ich nicht genau sagen, ob diese geburtsvorbereiteten Maßnahmen nun zu dieser sehr kurzen Geburtsdauer beigetragen haben oder ob es letztendlich reine Veranlagung war, die dafür sorgte. Ich hatte aber definitiv das Gefühl, dass mir die allgemeine Fitness auch unter der Geburt sehr geholfen hat und auf jeden Fall hat mir der Sport zu einer sehr gesunden und schönen Schwangerschaft verholfen, wie ich euch bereits im Beitrag zum zweiten Trimester ausführlicher berichtet habe. 

Was mir unter der Geburt ganz sicher geholfen hat, war die gute Vorbereitung durch das Wissen aus dem Podcast Hebammensalon, dem Buch Guter Hoffnung und dem Onlinekurs der friedlichen Geburt sowie unserem Geburtsvorbereitungskurs. Dadurch bin ich selbst dann nicht in Panik verfallen, als mir klar wurde, dass wir im entscheidenden Moment der Geburt ohne geburtsbegleitendes Personal sein und unser Kind ganz allein zur Welt bringen werden. Ich konnte durch das Wissen die Situationen recht gut selbst einordnen (Wehen, Presswehen, Nabelschnur etc.), was mich sehr ruhig blieben ließ. Wissen ist tatsächlich Macht!

Auch die Meditationen der friedlichen Geburt und vor allem die Visualisierung und Bauchatmung hat meiner Einschätzung nach zu dieser schnellen Geburt beigetragen. Zwar war die Geburt nicht schmerzfrei, aber sie war definitiv auszuhalten und ich wusste, dass ich zum Schmerz hin atmen musste und nicht vor ihm verkrampfen durfte, da er ja unser Kind zu uns bringt und daher „erwünscht“ ist (: . Die Meditation half sicher auch dabei, nicht zu verkrampfen und dadurch nicht zu starke Schmerzen während der Wehen zu haben.




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WAS WÜRDE ICH RÜCKBLICKEND ANDERS MACHEN?

Diese Frage würde ich grundlegend mit „nichts“ beantworten, da glücklicherweise alles super verlaufen ist und wir eine sehr intime und sehr selbstbestimmte Geburtserfahrung machen konnten. Für eine eventuelle nächste Geburt würde ich allerdings direkt mit der ersten Wehe von der Rufbereitschaft, die 24 Stunden pro Tag besteht und von uns ja auch bezahlt wurde, Gebrauch machen und gleich unsere Hebamme anrufen, egal wie spät es ist. Weitere Geburten sind ja in der Regel auch noch kürzer als die erste Geburt, daher würde ich in diesem Fall auch um direktes Losfahren bitten ^^ . Außerdem würde ich trotz Meditation der friedlichen Geburt etwas mehr mit Wilhelm kommunizieren, damit er aussagefähiger ist und weiß, was in mir vorgeht. Zu guter Letzt würde ich vermutlich mit mehr Wärme als natürlichem Schmerzlinderer arbeiten und wahrscheinlich schon früher in die Badewanne steigen, da mir das unheimlich gut tat.

Ansonsten würde ich allen Frauen raten, sich auf das eigene Gefühl zu verlassen und sich nicht von durchschnittlichen Werten beirren lassen wie beispielsweise der durchschnittlich etwas längeren Geburtsdauer von Erstgebärenden. Wenn es sich schnell anfühlt, ist es das eventuell auch, erstgebärend hin oder her. 

 

 

 

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Ich hoffe dieser ausführliche Geburtsbericht und meine Erfahrungen mit positiver Geburtsvorbereitung waren hilfreich (: .


Falls ihr noch etwas weiterlesen wollt, verlinke ich euch hier noch mal meine Berichte zur Schwangerschaft:





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Lasst doch auch sehr gern eure Erfahrungen oder Fragen in den Kommentaren da. Bitte seht aber von detaillierten negativen Geburtsberichten ab, falls hier Frauen mitlesen, die bewusst nur positive Geburtsberichte lesen möchten. Bin gespannt von euch zu lesen (: . Ich wünsche euch noch weitere schöne und hoffentlich entspannte Weihnachtstage.

1 Kommentar

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